… braucht Mann etwas Muße.

Nachdem ich mich letztens mit den Nassrasursystemen beschäftigt habe (über die elektrische Trockenrasur breite ich den Mantel des Schweigens), möchte ich nun meine Erfahrungen mit der Hobelrasur teilen. Ich habe vor dem ersten Hobeln selbst auch einige Recherche betrieben – so eine offene Klinge nötigt einem ja schon Respekt ab.

Vorab: neben ein paar kurzzeitigen Jugendsünden bin ich mein Leben lang Nassrasierer gewesen. Gillette, immer mit dem neusten Schnickschnack. In den letzten Jahren wurde es mir dann aber, was die Klingenanzahl etc. anging, doch im wahrsten Sinn des Wortes zu „bunt“. Für mich ist die Nassrasur allgemein deutlich gründlicher und angenehmer als alles, was es elektronisch zu kaufen gibt. Mit dem Systemrasierer war und bin ich schnell und gründlich. Gut, es nervte schon, daß die Klingen einen lächerlich hohen Preis haben, und am Ende konnte ich wirklich nicht mehr den Moden folgen. Diese Woche habe ich auch den passenden Rasierer zum Kinostart von Rogue One in den Regalen gesehen. Ich würde mir für die nächste Weihhnachtssaison einen mit Glöckchen und „süßer die Glocken nie klingen“-Melodie wünschen. Wäre evtl auch eine Möglichkeit, mehr Männer zur Intimrasur zu „nudgen“ 🙂 Ich schweife ab!

 

Die Vorbereitung.

Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Hobeln, mit offenem und geschlossenem Kamm. Wie der Name vermuten läßt liegt beim offenen Kamm die Klinge frei, während sie (bzw. die Haut) beim beim geschlossenen Kamm zusätzlich geschützt ist. Prinzipiell macht das für die Rasurtechnik keinen Unterschied, es empfiehlt sich aber mit der geschlossenen Klinge die ersten Erfahrungen zu sammeln. Rasierhobel werden mit der klassischen Standardrasierklinge benutzt, welche es für sehr kleines Geld in jeder Drogerie gibt oder für etwas mehr auch in anderen Qualitäten beim Fachhändler. Für mich zeigen sich diese Unterschiede bisher nur darin, wie oft ich eine Klinge verwenden kann, bevor sie stumpf wird (1 bis 3-mal, bei meinem Wuchs). Nicht in der Drogerie, aber im Badezimmer Potsdam, kann man (und frau) die verschiedenen Systeme in unterschiedlichsten Materialien und Ausführungen finden. Wir setzen hierbei auf MÜHLE Rasurkultur und TRUEFITT & HILL.

Bevor der Hobel seine Arbeit verrichten darf, sollten man die Haut entsprechend vorbereiten. Das ist eigentlich kein großer Unterschied zur Systemrasur, aber beim Hobeln kommt dem ganzen doch etwas mehr Bedeutung zu und es gehört einfach zur Rasurkultur dazu. Ich habe meine Morgenroutine dahingehend umgestellt, daß ich mich jetzt nach dem Duschen rasiere, damit die Barthaare bereits aufgeweicht sind, wenn ich beginne. Wer es mag und zu empfindlicher Haut neigt, kann nun als erstes ein Rasieröl auftragen, welches es der Klinge erleichtert, schnell und ungehindert die Haare zu trimmen. Dieses ersetzt aber nicht die eigentliche Vorbereitung: Rasierschaum. Ich nutze schon seit Jahrzehnten keinen Schaum mehr aus der Dose. Er funktioniert in den aller meisten Fällen einfach nicht, da er sich nicht richtig mit Haut und Haar verbindet. Alternativ bieten sich Rasiercremes und -seifen an. Mit meinem Gillette habe ich immer Rasiercremes verwendet, die ich ohne zu schäumen mit etwas Wasser dünn auf die Haut aufgetragen habe. Funktionierte für mich gut und schnell.ACCA KAPPA

Aber seit ich den Rasierpinsel entdeckt habe, weiß ich was mir entgangen ist. Das ist ein ganz anderes Hautgefühl und es macht die Rasur noch einmal deutlich leichter. Man kann die Creme/Seife wahlweise in der Hand, im Gesicht oder in einer kleinen Schale (mein Favorit) aufschäumen. Hierbei ist zu beachten, daß man gar nicht viel Produkt benötigt, sondern nur etwas mehr Wasser zufügen sollte, wenn es nicht richtig schäumt.

Selbstverständlich gibt es bei uns eine Auswahl feiner Rasiercremes, -seifen und der entsprechenden Pflegeprodukte. Meine persönlichen Favoriten sind hierbei alle Castle Forbes Cremes und die ACCA KAPPA Mandelseife. Prinzipiell schäumen aber alle unsere Produkte gut und cremig, und so ist es vor allem eine Frage des eigenen Duft- und Hautempfindens. ACCA KAPPA bietet übrigens auch einen tatsächlich (!) guten Rasierschaum an.

Noch ein Wort zum Rasierpinsel: gute sind aus Dachshaar. Wer eine Tierhaarallergie hat, vegan lebt oder einfach den Gedanken an nackte Dachse nicht erträgt, für den bietet sich seit kurzem eine Alternative: MÜHLE Rasurkultur hat Pinsel mit einer Kunstfaser entwickelt, die dem Naturprodukt in nichts nachstehen.

 

Der Schnitt.

Zunächst sollte man den Winkel, mit dem man den Hobel ansetzt, herausfinden. Dieser liegt irgendwo zwischen 20 und 40 Grad – auch abhängig vom jeweiligen Gesicht(steil). Klingt kompliziert, aber nach ein paar Zügen hat man das raus. Um nun unfallfrei weiterzukommen, gilt es ein paar Regeln zu beachten:

  1. Mit dem Wuchs hobeln! Es hat mich einige Versuche gekostet, herauszufinden, in welche Richtung mein Bart wächst. Hinweis: es ist nicht überall die gleiche. Gerade am Anfang sollte man in jedem Fall vermeiden, gegen den Wuchs zu hobeln, wenn man Mikroschnitte vermeiden will. Mittlerweile bin ich aber auch in der Lage, beim zweiten Durchgang oder unkritischen Stellen gegen den Wuchs zu hobeln, wenn ich es einmal ganz besonders gründlich möchte.
  2. Nicht drücken! Was der Systemrasierer toleriert oder teilweise fordert, kann hier zu fatalen Ergebnissen führen. Es reicht völlig, den Hobel ohne Druck über die Haut zu führen. Man wird dafür auch mit diesem klassischen Schabegeräusch belohnt, welches man beispielsweise aus den Rasiersalons in Italowestern kennt.
  3. Gemächlich und in längeren Strichen ziehen. Punkt.

Dazu kommt noch, daß man an manchen Stellen (Kinn, Philtrum, o.ä.) die Haut mit der anderen Hand straffziehen oder auch mal eine Grimasse schneiden sollte, um die besten Ergebnisse zu erzielen.

Richtig ausgeführt sollte die Hobelrasur gründlicher und reizärmer sein als alles anderen Techniken. Bei Herausforderungen mit eingewachsenen Barthaaren und Rasurbrand soll sie auch Milderung verschaffen. Meiner Erfahrung nach funktioniert sie auch besser bei der Entfernung von 3 oder 4-Tage-Bärten. Darüber hinaus würde ich immer erst mit einem Langhaarschneider vorarbeiten.

Klingt alles recht kompliziert – aber ich verspreche dem Leser, daß sich das Ergebnis und Erlebnis wirklich lohnt. Auch wenn man (aus guten Gründen) bei seinem Systemrasierer bleiben möchte: allein schon Pinsel und Rasiercreme/-seife werden dem morgendliche Ritual völlig neue Dimensionen eröffnen.

MÜHLE Rasierer für unterschiedliche Systeme - gibt's im Badezimmer Potsdam

Und nach der Rasur? Dieses Thema adäquat zu behandeln würde den Rahmen dieses Beitrags sprengen. Nur ein Hinweis zur Ersten Hilfe bei kleineren Schnitten: ein Alaunstift oder -stein bewährt sich hier deutlich besser und dezenter als ein Fetzen Toilettenpapier, um kleinere Blutungen sofort zu stillen.

Letzten Endes ist Stil vor allem eine Geisteshaltung. Aber wenn sich eine Haltung nicht durch Handlungen manifestiert, ist sie auch nichts wert. Also, meine Herren, ran an die Stoppeln.

Hinweis: alle hier beschriebenen Techniken und Ergebnisse sind meine persönliche Erfahrung. Ich kann nicht dafür garantieren, daß sie auch bei rothaarigen Vollbärten, Frauenbeinen und blondem Teilbewuchs funktionieren.